Interview mit Regina Heng vom Frankfurter Tonkünstlerbund

Trompete in Bewegung- Blech trifft Feldenkrais

 | Quelle: Neue Musikzeitung, Ausgabe 2/ 17

Ute-Gabriela Schneppat: Liebe Frau Heng, vor ca. einem Jahr haben Sie mit Ihrer Kollegin Annegret Lucke zusammen die DVD „Trompete in Bewegung – Blech trifft Feldenkrais“ heraus gebracht und zu diesem Thema einige Workshops gehalten. Können Sie uns von Ihren Erfahrungen aus dieser Zeit berichten?

Regina Heng: Wir haben an Dr. Hoch´s Konservatorium in Frankfurt Workshops mit TrompetenschülerInnen im Alter von 5-20 Jahren abgehalten.
Inhaltlich war es jedes mal eine Kombination aus Trompetenunterricht und Feldenkraislektionen. Dabei konnten unsere SchülerInnen die Zusammenhänge von Körperhaltung, Atmung, Spielgefühl und Klang erforschen und so entdecken, auf welche Weise ihr Trompetenspiel mühelos, leicht und klangvoll wird. Außerdem haben sie unterschiedlichste Wege kennengelernt, sich musikalische auszudrücken und Musik ausdrucksstark und lebendig zu gestalten.
Wichtig war uns immer, dass die Schüler blastechnische und musikalische Sachverhalte selbst entdecken, das ist die Grundlage unserer methodischen Arbeit.

Ute-Gabriela Schneppat: Welche Themen hatten die Workshops?

Regina Heng: Die Workshops hatten ganz unterschiedliche Inhalte. Themen waren z.B. die Wechselwirkung zwischen Atmung, Haltung, Spielgefühl und Klang, das Entdecken musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten, Artikulation, die Kommunikation im Ensemble oder das Bewusstmachen der Schulterblätter als Idee für die Haltung beim Trompete spielen. Wir haben mit fortgeschrittenen Schülern an der Sonatine für Trompete und Klavier von Bohuslav Martinu gearbeit. Da ging es um Zungentechnik und musikalische Gestaltung und auch um das Spüren der Zusammenhänge von Kopf, Kiefer, Brustkorb und Becken.

In den Workshops konnten Schüler z.B. die Erfahrung machen, dass der Blick, d.h. die Beweglichkeit der Augen einen großen Einfluss aufs Trompete spielen hat. Oder, dass sich die Art und Weise, wie sie dastehen auf Leichtigkeit und Klangentfaltung beim Spielen auswirkt.
In den Feldenkraislektionen konnten sie Bewegungszusammenhänge ihres Körpers nochmal ganz anders spüren. Durch die Lektionen hat sich die Selbstorganisation des Körpers verbessert, dadurch sind unnötige Anstrengungen weggefallen und die Bewegungen wurden müheloser.
Alle haben vor und nach den Lektionen ihre Instrumente gespielt und darauf geachtet, ob etwas anders klingt oder leichter geht.

Die Workshops haben den Schülern eine besonders intensive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten ermöglicht.
Wir konnten ein Thema immer wieder aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
So habe ich z.B. beim Einspielen mit den Schülern schon an ihrer Haltung – und damit an Spielgefühl und Klang –  gearbeitet, indem sie beim Spielen auf einem Bein standen. Dadurch waren sie automatisch gezwungen, sich gut auszubalancieren, was ein leichteres Spiel und bessere Klangentfaltung mit sich brachte. Danach hat Annegret Lucke durch eine Feldenkraislektion im Vierfüßlerstand an der Haltung gearbeitet. Alle haben erlebt, dass ihr Spiel leichter und klangvoller wird, wenn sich Stand oder Körperhaltung verändern. Das sind sehr nachhaltige Erfahrungen, auf die ich mich im Unterricht jederzeit beziehen kann.
Genauso war es auch bei der musikalischen Arbeit. Durch das gemeinsame Lösen von Aufgeben haben alle von- und miteinander gelernt. Sie haben Ideen entwickelt und sich damit gegenseitig inspiriert. Dadurch konnten sie ihr musikalisches Ausdrucksrepertoire erweitern.
Die Schüler sind wirklich auf tolle Ideen gekommen – manchmal verlief dann alles ganz anders als geplant, z.B. als sie den Einfall hatten, die musikalische Form eines Quartetts, das sie gerade übten, in Bewegung umzusetzen. Dadurch haben sie für sich das Thema „Auf- und miteinander reagieren“ hervorragend bearbeitet und sich auch die musikalische Form der Komposition bewusst gemacht.

Die Workshops haben wir professionell von Surridge Films Frankfurt filmen lassen und daraus die DVD „Trompete in Bewegung- Blech trifft Feldenkrais“ produziert. Nachdem die Dreharbeiten beendet waren, haben wir ca. 1 Jahr an dem Film gearbeitet, Wir hatten mehr als 15 Stunden Filmmaterial, aus dem wir die wichtigsten Szenen ausgesucht haben und das dann geschnitten wurde.
Die DVD ist in verschieden Kapitel aufgeteilt, die jeweils Einblick in die unterschiedlichen Workshops geben. Es gibt sowohl am Anfang und dann zu jedem Kapitel eine Moderationen, mit denen wir die gezeigten Arbeitsweisen methodisch erläutern.
Damit möchten wir BlechbläserkollegInnen einen anderen Blick und neue Sichtweisen im Unterricht eröffnen, Zusammenhänge aufzeigen und unsere Methoden für die Arbeit im Blechbläserunterricht darlegen.

Gleichzeitig bieten wir zum Thema „Blech trifft Feldenkrais“ regelmäßig Seminare für BlechblaslehrerInnen an. Es geht um alles, was wichtig ist, um beim Entwickeln von Ansatz, Atmung und Blastechnik ein müheloses Spielgefühl und Klangentfaltung zu erreichen.
In den Gesprächen mit Seminarteilnehmerinnen stelle ich immer wieder fest, dass es ein großes Bedürfnis gibt, mehr über diese Zusammenhänge zu erfahren. Mit einem ganzheitlichen Blick lassen sich ganz andere methodische Herangehensweisen oder Lösungsmöglichkeiten für Probleme entwickeln.
Oft kommen auch ganz praktische Fragen zu Fällen aus dem Unterricht , die dann als Beispiel dienen, anhand dessen Lösungsmöglichkeiten gezeigt werden können.

Ute-Gabriela Schneppat: Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Annegret Lucke auf diesem Gebiet?

Regina Heng: Wir haben als Kolleginnen immer wieder Gespräche über Schüler, Unterrichtsgestaltung und methodische Fragen geführt. Dabei haben wir schnell gemerkt, dass wir auf sehr ähnliche Weise im Unterricht reagieren, Probleme lösen, und dass es viele gemeinsame Grundgedanken im Hinblick auf Lernen, Lernprozesse und die Entwicklung bei Schülern gibt.
Und irgendwann haben wir dann gesagt: „Da machenn wir was draus“ und haben beschlossen, Workshops für SchülerInnen abzuhalten.
Ich war sicher, dass meine Schüler von den Feldenkraislektionen profitieren würden. Für sie war es eine wunderbare Möglichkeit, mehr über die Bewegungszusammenhänge ihres Körpers zu erfahren und diese Erfahrungen fürs Trompete spielen zu nutzen.
Und genau so war es dann auch – für alle waren es ganz neue, gewinnbringende Erfahrungen. Sie haben durch das Arbeiten mit Annegret Lucke noch mal ein ganz anderes Bewusstsein für den Umgang mit ihrem Körper entwickelt.
Und bei allen waren die Erfahrungen sehr nachhaltig, ich kann mich im Unterricht immer wieder darauf beziehen – eine kleine Erinnerung genügt und schon verändert sich z.B. die Haltung oder die Art, wie Schüler dastehen…

Ute-Gabriela Schneppat: Sie haben von gemeinsamen Grundgedanken gesprochen. Welche sind das und was verbindet Ihre Arbeit im Trompetenunterricht mit der Herangehensweise ihrer Kollegin in den Feldenkraislektionen?

Regina Heng: Der Umgang mit dem eigenen Körper hat einen großen Einfluss aufs Musizieren.
Klangentfalung und Leichtigkeit beim Spielen stellen sich dann ein, wenn Spielabläufe und Bewegungen mühelos sind und der Körper frei und durchlässig ist.
Es geht sowohl bei der bläserischen Entwicklung als auch in den Feldenkraislektionen immer darum, den organischsten, d.h. ökonomischsten Weg zu finden. Man kann es auch so ausdrücken: Spiel- und Bewegungsabläufe sollen von minimalem Aufwand mit hoher Effizienz gekennzeichnet sein.

Für uns beide ist die Schulung der Wahrnehmung der Schlüssel zum Erwerb neuer Fähigkeiten. Sowohl beim instrumentalen Lernen, wie auch bei Feldenkrais geht es um die Verfeinerung und Sensibilisierung der Sinne und der Eigenwahrnehmung. Eine forschende Haltung beim Üben und Achtsamkeit der Schüler für das, was sie tun, das ist der entscheidende Punkt!
Unsere Schüler lernen und gewinnen Erkenntnisse, indem sie beispielsweise blastechnische Vorgänge oder Bewegungsabläufe erspüren und beobachten.
Durch entsprechende Aufgabenstellungen schaffen wir Unterrichtssituationen, in denen dies besonders gut möglich ist und lenken die Aufmerksamkeit durch Fragen auf das, was die Schüler entdecken sollen.Durch Ausprobieren kommen das Entdecken und die „Aha“ – Erlebnisse.
Die Schüler merken beispielsweise, dass das Spielen nach einer Übung auf einmal leichter geht und besser klingt. Sie spüren, was sich verändert hat und erkennen so die Zusammenhänge zwischen Spielgefühl und Klang.
Auch in den Feldenkraislektionen erspüren und beobachten sie ihre Bewegungen – es geht immer um das Wie der Bewegung – und merken, wie Bewegungen leichter und mit weniger Anstrengung gehen können.

Das, was unsere Arbeit kennzeichnet, lässt sich so ausdrücken:
Wir verschieben die Aufmerksamkeit vom Ziel zum Weg und achten auf die Qualität des Weges. Dabei halten wir die Schüler im „Entdeckermodus“ – so bleibt Lernen spielerisch, spannend, lebendig und nachhaltig.

Ute-Gabriela Schneppat: Gerade das Thema „Ansatz“ ist für Bläser im Allgemeinen und besonders für die Blechbläser von immenser Bedeutung. Hat sich durch die intensive Auseinandersetzung mit Körperarbeit – hier mit Feldenkrais – ihre eigene Herangehensweise an dieses Thema verändert?

Regina Heng: Die Auseinandersetzung mit Körperarbeit hat auf jeden Fall einen großen Einfluss auf meine eigene Arbeit. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man Ansatzbildung – also den Umgang mit Lippen, Luft und Zunge nicht isoliert vom restlichen Körper betrachten kann.
Die Körperhaltung ist in diesem Zusammenhang immer ein wichtiges Thema, denn sie entscheidet über Leichtigkeit beim Spiel, fließende Atmung und Klangentfaltung….es ist also nicht egal, wie ich dastehe, wie ich mich bewege – alles hängt zusammen und hat einen Einfluss darauf, wie sich Ansatz und Spielgefühl entwickeln.
Durch die intensive Arbeit mit Annegret Lucke habe ich noch viel mehr Einblick in Zusammenhänge bekommen und konnte dadurch viele wirkungsvolle Übungen und Hilfestellungen entwickeln.

Begonnen hat die Beschäftigung mit Körperarbeit allerdings schon vor langer Zeit während meines Studiums. Damals war es Alexandertechnik und ich habe dies als sehr hilfreich für meine bläserische Entwicklung erlebt. Ich konnte die Erfahung machen, dass Probleme oft oft nicht an der Stelle zu lösen sind, an der sie aufgetreten sind. Deshalb weiß ich, wie wichtig es ist, einen ganzheitlichen Blick zu entwickeln, um zu erkennen, wo die Ursachen eigentlich liegen oder – was noch viel besser ist – zu verhindern, dass eine Problematik überhaupt entsteht.
Ich will Ihnen ein Beispiel nennen: Wenn ein hartnäckiges Problem mit der Leichtigkeit der Zunge auftaucht, also der Stoß nicht flüssig ist, kann ich natürlich immer wieder die gleichen Übungen wiederholen und versuchen, die Beweglichkeit der Zunge anzuregen. Damit werde ich bis zu einem gewissen Grad auch erfolgreich sein. Doch das nenne ich symptomorientiertes Arbeiten. Ich kann aber auch die Ursachen für das Problem bearbeiten. Das heißt dann, dass ich genau beobachte, ob der Schüler Angewohnheiten hat, die es mit sich bringen, dass die Beweglichkeit der Zunge eingeschränkt ist.
Dann bemerke ich vielleicht,dass er seinen Kopf immer ein bisschen in den Nacken zieht und dadurch seinen Unterkiefer nach vorne schiebt, und dass diese Anspannung des Unterkiefers zur Folge hat, dass die Beweglichkeit der Zunge eingeschränkt ist. In diesem Fall könnte die Lösung darin bestehen, den Schüler während des Spielens rückwärts laufen zu lassen, weil so die genannten Haltungs- oder Bewegungsmuster nicht mehr möglich sind. Der Schüler merkt dann selbst, wie die Zunge auf einmal leicht läuft und sein Spiel klangvoller wird und kann die Zusammenhänge erkennen.
Blockierende oder einschränkende Muster bewusst zu machen und aufzulösen ist ganz entscheidend für die bläserische Entwicklung. Nur wenn ich weiß, was ich tue, kann ich es auch verändern.

Ute-Gabriela Schneppat: Ihr Projekt hat den Titel „Trompete in Bewegung – Blech trifft Feldenkrais“. Warum Trompete in Bewegung?

Regina Heng: Bewegung spielt in unserem Unterricht eine ganz wesentliche Rolle.Sie regt die Atmung an;verhindert ein Fest-Werden, und hilft, einschränkende Bewegungs- und Haltungsmuster zu durchbrechen oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen.
Dabei bringen wir den Körper auch schon mal in ungewohnte Positionen. Unsere Schüler spielen dann, indem sie auf einem Bein stehen, oder sie laufen beim Spielen durch einen Parcours.
Wir bringen natürlich auch das Denken in Bewegung, die Schüler forschen, probieren aus, suchen Wege und finden Lösungen.
Durch Bewegung erreichen wir den ganzen Menschen in seinem Handeln, Denken und Fühlen.

Ute-Gabriela Schneppat: Sie haben in vergangenen Publikationen („Ideenkiste für den Unterricht“, „Frühinstrumentaler Unterricht auf Blechblasinstrumenten“ und „Auf dem Schlauch geht’s auch“) ja bereits viele wertvolle Anregungen für den Trompetenunterricht weiter gegeben. In wie weit konnte hat die Begegnung mit Feldenkrais Ihre Arbeit im frühinstrumentalen Bereich befruchten?

Regina Heng: Letztlich hat mich die Zusammenarbeit in meiner Arbeitsweise bestärkt und bereichert und auch frischen Wind in meine Arbeit gebracht.
Viele Übungen und Herangehensweisen, die zu meinem „Repertoire“ gehören, habe ich nochmal unter ganz anderen Aspekten kennengelernt. Z.B., dass kleine Atemspiele, die ich mit den Kindern mache nicht nur zur Atemanregung führen, sondern dass die Art wie sich Kinder dabei bewegen, ganz selbstverständlich dazu führt, dass sich der Körper richtig organisiert. Dadurch wird ja alles effiziernt und leicht.
Wie schon erwähnt, ist das Thema Haltung und Aufrichtung von großer Bedeutung. Ein guter Stand hat Auswirkungen auf die Flexibilität des Oberkörpers, die Lockerheit des Kiefers und folglich auf freie Atmung und Klangentfaltung. Durch den Feldenkrais- Hintergrund konnte ich z. B. Übungen entwickeln, mit denen man bei Kindern von Anfang an dafür sorgen kann, dass die Füße das Gewicht gut an den Boden abgeben können.
Genauso fürs Ansetzen der Trompete, weil sich schon die Art und Weise, wie ich die Trompete ansetze auf das Ansatzgefühl auswirkt und damit auf Leichtigkeit im Spiel.
Allein die Tatsache, dass ich mit der Schlauchtrompete beginne trägt ja dazu bei, dass Kinder nicht durch ein zu großes und schweres Instrument überfordert werden. So gibt es weniger Probleme für Atmuung und Haltung- und das ist nur einer der Gründe die dafür sprechen, so zu beginnen.
Grundsätzlich sind das aber methodische Grundlagen für jeden Unterricht.
Ob bei den „Kleinen“ oder den „Großen“, für den Frühinstrumentalunterricht, wie für jeden Anfängerunterricht gilt: In den ersten Stunden liegen die Wurzeln für die weitere bläserische Entwicklung. Hier werden die Grundlagen für die Instrumentaltechnik gelegt, und diese ersten Stunden entscheiden ganz wesentlich darüber, ob ein Spielgefühl mit Leichtigkeit verbunden ist.

Ute-Gabriela Schneppat: Auf Ihrer DVD „Trompete in Bewegung – Blech trifft Feldenkrais“ findet sich auch ein Interview mit dem renommierten Hirnforscher Gerald Hüther. Können Sie uns einen kurzen Abriss über das Lernen und die Bedeutung von Bewegung und Freude am Lernprozess geben, wie es Gerald Hüther im Gespräch auf Ihrer DVD darstellt?

Regina Heng: Gerald Hüthers Haltung zum Thema Lernen spricht uns wirklich aus dem Herzen. Und bestätigt unsere Arbeit.
Kurz gesagt, die wichtigste Maßnahme für erfolgreiche Lernstrategien ist: Es muss Freude machen. Was Freude macht, lernt man gerne und gut, denn da werden im Gehirn die emotionalen Zentren aktiviert. Genau gesagt werden neuroplastische Botenstoffe freigesetzt, die dafür sorgen, dass die Nervenzellen neue Fortsetzungen bilden können.
Druck hingegen wirkt kontraproduktiv beim Lernen.

Weiter hat er beschrieben, wie Bewegung, Fühlen und Denken als Einheit untrennbar miteinander verbunden sind, und dass jede Bewegung, die wir ausführen, im Gehirn ein Muster aktiviert. In diesem Zusammenhang haben wir auch über die Bedeutung von Ruhephasen beim Lernen gesprochen. Sie sind sehr wichtig, weil das Gehirn das, was vorher erarbeitet wurde, noch weiter fortsetzt. Es baut dieses Muster noch einmal auf, und das führt dann dazu, dass neue Synapsen im Gehirn verankert werden können.

Ebenso betont Hüther auch, dass Lernen über Erfahrung wesentlich effektiver und nachhaltiger ist, als einfach nur Anweisungen zu befolgen. Wenn Schüler selbst herausfinden können, wie etwas am besten geht, dann ist es ihr Eigenes und das passt, wie er betont, immer am besten.
Potentiale können sich erst entfalten, wenn Schüler ausprobieren können, wenn sie den Freiraum haben, selbst Lösungen zu finden. Aufgabe des Lehrers ist es, den Unterricht in diesem Sinne zu gestalten, den Schüler dabei zu begleiten und ihm mit seiner Erfahrung zur Seite stehen.

Ute-Gabriela Schneppat: Was möchten Sie Ihren Kollegen als Fazit Ihrer bisherigen Arbeit und als Anregung aus Ihrem reichen Erfahrungsschatz als Pädagogin ans Herz legen für die eigene pädagogische Arbeit?

Regina Heng: Das Wichtigste ist für mich die Haltung, in der wir als LehrerInnen unterrichten – eine Haltung die gekennzeichnet ist von Vertrauen, Neugier und Freude…
Und zwar von Vertrauen in die Fähigkeiten der SchülerInnen. Trauen wir ihnen zu, dass sie das Potential haben, blastechnische und musikalische Zusammenhänge selbst zu entdecken? Und durch welche Art der Unterrichtsgestaltung, durch welche Aufgabenstellungen und welche Fragen regen wir sie dazu an, selbst herausfinden und spüren, wie etwas am besten geht?

Wenn Schüler ausprobieren dürfen, wenn ihre eigenen Wahrnehmungen von Bedeutung sind, wenn sie ihre Ideen einbringen können, dann fühlen sie sich gesehen und verstanden, dann Entwickeln sie Vertrauen – in ihre eigenen Fähigkeiten, wie auch zu mir als Lehrerin… Das ist wichtig für ein gutes Lernklima.

Lernen ist ein sehr individueller Vorgang . Da bin ich immer in einem kreativen Dialog mit dem Schüler. Da muss ich neugierig bleiben – neugierig auf den Schüler, auf seine Entwicklung, ich muss immer wieder individuelle Lösungen suchen, Wege ausprobieren… Fertige Konzepte sind nicht wirklich dienlich, viel wichtiger ist die Fähigkeit, angemessen reagieren und mit unvorhergesehenen Situationen umgehen zu können.
All das geht natürlich nur mit einem großes Repertoire an Ideen und methodischem Know-how, dann habe ich Handungsalternativen…

Kurz gesagt geht´s darum: Lernerlebnisse schaffen, Entdeckerlust wachhalten und Vertrauen in die Fähigkeiten der Schüler haben!

Mir macht es auch nach über 25 Jahren Unterrichtspraxis immer noch viel Freude, meine SchülerInnen bei ihrer Entdeckungsreise zu begleiten, neue Ideen zu entwickeln und diese Erfahrungen in meinen Seminaren und Publikationen weiterzugeben.

Ute-Gabriela Schneppat:Liebe Frau Heng, ich bedanke mich herzlich für dieses Gespräch.

Das Gespräch mit Regina Heng führte Ute-Gabriela Schneppat

    Im Entdeckermodus

    Das Entdecken blastechnischer und musikalischer Sachverhalte im Trompetenunterricht war Inhalt von fünf Workshops mit TrompetenschülerInnen im Alter von fünf bis 20 Jahren, die Regina Heng gemeinsam mit der Feldenkrais-Pädagogin Annegret (…) Mehr lesen

    Wenn sich Blech und Feldenkrais begegnen

    Wenn es um die Vermittlung blastechnischer und musikalischer Fähigkeiten geht, ist das Unterrichten vielfach immer noch gekennzeichnet von zu viel Erklärung und zu wenig Erleben. Hat man etwas wirklich verstanden, (…) Mehr lesen